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B. Lamberts/A. Reiter: Totgetanzt

„Totgetanzt“ ist der zweite Krimi von Brigitte Lamberts und Annette Reiter: Er spielt im winterlich-kalten Düsseldorf. Ich habe die Autorinnen am Schlossteich in Benrath getroffen.

rheinblätter_totgetanzt_coverEs passiert nachts am Schlossteich in Benrath: „Hier auf der Parkbank setzt der Mörder eines seiner Opfer in Szene, bekleidet mit einem Tellertutu und mit Ballettschuhen“, erzählt Brigitte Lamberts. Wenn die Tote noch schauen könnte, würde sie über den Teich Richtung Schloss blicken und die goldene Kugel des Künstlers James Lee Byars sehen, die hier eine Zeitlang über dem Wasser schwebte, und auch die Trauerweide, die inzwischen durch Pfingststurm „Ela“ zerstört wurde. „Unser Fall spielt 2011, da waren Baum und Kugel noch hier“, erklärt Koautorin Annette Reiter.

Nach solchen Düsseldorf-spezifischen Details und Schauplätzen halten die Autorinnen überall in der Stadt Ausschau. Die Toten ihres ersten Falls „Ausgeweidet“ haben sie im Grafenberger Wald und in der Kaiserpfalz in Kaiserswerth abgelegt. Für ihren zweiten Band „Totgetanzt“ sind sie nun in den Düsseldorfer Süden gegangen. Er spielt außerdem im Polizeipräsidium am Jürgensplatz, in der Rechtsmedizin an der Uni oder im Medienhafen, wo ihr Kommissar Clemens von Bühlow wohnt (Edition Oberkassel, 200 Seiten, 11,99 Euro).

Auch Düsseldorfer Restaurants spielen eine Rolle, die die beiden Autorinnen getestet haben und empfehlen können. „Unser Ermittler soll bei gutem Essen Abstand von seiner Arbeit finden“, sagt Brigitte Lamberts: „Die Genussmomente sind das Gegengewicht zu seinen Fällen.“

In „Totgetanzt“ haben von Bühlow und sein Team einen Serientäter im Visier. „Er ist getrieben von dem Wunsch, eine Partnerin zu finden, die so ist wie seine Mutter und zugleich doch ganz anders“, resümiert Annette Reiter. Er ist eine gequälte, verstörte Seele, ein Opfer, das seine schlechten Kindheitserfahrungen nicht hinter sich lassen kann und selbst zum Täter wird. Weil die Frauen, die er entführt hat, seine Erwartungen nicht erfüllen, tötet er sie, zieht ihnen die teure Ballettkleidung an und setzt sie in Benrath am Rhein und am Schlossteich in Szene mit einer roten Rose, nachdem er ihnen ein Eisblumentattoo gestochen hat. „Das ist seine verdrehte Art, ihnen doch noch Respekt zu erweisen“, sagt Annette Reiter – und den Ermittlern hinterlässt er so jede Menge Spuren und Rätsel.

„Dieses genaue Hinschauen- und Kombinierenmüssen ist es, was wir an dem Genre schätzen. Deshalb haben wir uns auch für Polizeikrimis entschieden“, erklärt Brigitte Lamberts. Durch Henning Mankell und seine schwedischen Autorenkollegen ist sie zur Krimileserin geworden. Sie hat lange mit dem Gedanken gespielt, selbst zu schreiben, angefangen hat sie aber erst gemeinsam mit Annette Reiter – als die beiden sich nach 20 Jahren wiedertrafen. Sie sind zusammen zur Schule gegangen, haben sich nach dem Abitur am Fliedner Gymnasium in Kaiserswerth aus den Augen verloren und wurden durch Zufall Nachbarinnen in einer Doppelhaushälfte in Stockum.

Vor sechs Jahren fiel hier der Startschuss für den ersten Band. Inzwischen haben die beiden schon ein paar hundert Seiten hinter sich und gemeinsame Schreibroutinen entwickelt. Brigitte Lamberts verfasst die Geschichten, die sie gemeinsam entwickeln, und beide feilen an den Manuskripten.

Persönliches lassen sie in sie einfließen wie das Ballettmotiv: Annette Reiter hat früher selbst getanzt und wollte zum Ballett, deshalb kennt sie sich mit der Kleidung aus. Aber auch Ermittlerwissen spielt eine Rolle, das ist dann der Part von Brigitte Lamberts: Sie liest Bücher über Forensik oder Tatortanalysen, damit die Details stimmen.

Das bedeutet viel Aufwand, insgesamt sind die beiden mit einem Band fast ein ganzes Jahr beschäftigt. Aber sie haben längst Feuer gefangen, der dritte Band ist auch bereits fast fertig und wird in einem Jahr erscheinen. Ein bisschen verraten die Autorinnen schon: Dieses Mal wird Kommissar von Bühlow mit den Augen der Kunsthistorikerin Brigitte Lamberts hinter die Kulissen der Kunstakademie schauen.

Die Homepage der Autorinnen: http://www.moerderisches-duett.de/

Lesungen:

“Totgetanzt” – Krimi-Lesung mit ausgewählten Weinen
Freitag, 27. März, 20 Uhr: Jacques’ Wein-Depot, Düsseldorf-Lohausen/Kaiserswerth, Alte Landstraße 1

Lesereihe “Mord am Montag” im Alten Bahnhof Hilden
Montag, 20. April 19 Uhr, 
im K5, Bahnhofsallee 5, 40721 Hilden

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